Das billige Baukastensystem

Eine der schlimmsten Spammer schon seit Jahren nennt sich derzeit “Creativhandel”. Dieser versucht es mit 2 Spam-Methoden. Einmal die Spam mit direkter Bestellmöglichkeit aus der Spam-Mail heraus:

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und dann auch mit Verweis auf eine Internetseite:

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Diese Internetseiten sind mit einem billigen Baukasten erstellt und es gibt diese Webseiten zu hundertfach mit unterschiedlichen Internetadressen. Diese billige, nicht mal annähernd an die aktuellen Anforderungen eines Online-Shops angelehnten Verkaufsseiten sehen dann zum Beispiel so aus

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oder auch so mit einer anderen Adresse

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Es gibt wie bereits geschrieben hunderte Adressen mit diesem Primitiv-Shop, die aber alle auf den gleichen Urheber zurückführen sind.

Interessant bei all diesen Angeboten: sie sind teilweise deutlich teurer als die gleichen Artikel z.B. bei amazon.

Der Shop

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um einen äußerst primitiven Shop, der vielleicht in den neunziger Jahren mal modern wirkte, aber heutzutage nichts taugt. Das hat natürlich seinen Grund: alle paar Wochen müssen Internetadressen wegen anhaltender Beschwerden und Anzeigen geschlossen werden. Da ist es durchaus hilfreich, ein derartig primitives Gerüst zu haben, um schnellstmöglich auf eine neue Internetadresse auszuweichen. Ich will mich jetzt gar nicht auslassen über die heute bei Shops unabdingbare – aber hier fehlende – Verschlüsselung bei einer Bestellung oder auf das fast schon als kurios anmutende Bestellformular. Dennoch will ich in einem Punkt auf diese Bestellseite mal eingehen. Öffnet man die Bestellseite, werden hunderte von Artikel angezeigt, was einerseits die Suche nach dem gewünschten Artikel erschwert und andererseits sehr schnell zu Falschbestellungen führen kann:

bestellen

Schauen wir uns mal die Preise an:

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Aus den “nur 89 €” im Beispiel kommen also noch 16,91 € MwSt sowie 19 € für das Porto hinzu. Macht aus den 89 € dann auch gleich mal 124,21 €… Diese Preisauszeichnung ist noch in anderer Hinsicht erwähnenswert – dazu aber mehr bei den Erläuterungen zu den AGBs.

Ein Blick in den Quelltext des Shops birgt zahlreiche Verlinkungen zu den verschiedensten gleichartigen Shops.

Interessant auch die auf der Startseite enthaltenen Kontaktmöglichkeiten:

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Das Foto zeigt eine telefonierende Dame, womit man natürlich glaubt, dass es eine Art Hotline gibt. Weit gefehlt: unter der Dame ist in klitzekleiner Schrift nur eine Faxnummer zu sehen – eine Telefonnummer wird nirgendwo angegeben.

Das Impressum

Das Impressum ist kein solches: für einen angeblich in Deutschland tätigen Händler fehlen etliche Angaben. Aber schauen wir es uns erst mal an:

impressum

Es fehlen

  • die Angaben zur Vertretung des Unternehmens (also je nach Unternehmensart der vertretungsberechtigte Gesellschafter, der Geschäftsführer oder die Vorstände)
  • Telefonnummer und Mailadresse zur Kontaktaufnahme
  • bei einer GmbH, einer AG oder einer OHG die Nummer des Registereintrages (dazu weiter unten) und
  • die Umsatzsteuer-ID

Auch fehlen sämtliche Angaben zur Unternehmensart.

Aber das alles ist sowieso nicht wichtig – es handelt sich ja um ein Betrugssystem und eines der Grundmerkmale solchen Betruges ist es nun mal, sich möglichst anonym zu machen. Und dieser Versuch, sich zu anonymisieren setzt sich auch in anderer Hinsicht fort (siehe weiter unten).

Auf der Impressumseite ist noch ein Hinweis enthalten, der sich mit Spams (also dem Hauptaufgabengebiet der Betrüger) beschäftigt:

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Der dort genannte JoeJob bezeichnet den Versuch, mittels gefälschter Mailadressen einer Firma oder eine Person zu schädigen. Davon kann aber in diesem Fall überhaupt keine Rede sein: es wird nicht versucht, jemanden zu schädigen, sondern ausschließlich den diversen Betrügerseiten mehr Besucher zuzuführen. Von daher ist dieser “Hinweis” eine ganz klare Masche, alle Vorwürfe des Spams von sich zu weisen und irgendwelchen Hackern in Russland (wie es auf einer anderen Seite des gleichen Betreiber heißt) zuzuschreiben. Diese Masche verwenden die Betrüger schon seit Jahren – seit 2013 ertragen die armen armen Gauner nun schon die ach so bösartigen “Attacken”, die ihnen das einbringt, was sie wollen: möglichst viele dumme Schafe, die bei ihnen einkaufen.

Aber zurück zum Impressum: eine Firma namens “Creativhandel” lässt sich natürlich nicht finden. Weder im Handelsregister noch in den gängigen Telefonbüchern. Schlimmer noch: schon an der Hausnummer 2 mangelt es anscheinend in der Frankfurter Kruppstraße. Das bedeutet also: keine (wie es gelogen wird) deutsche Firma an einer offensichtlich nicht existierenden Straße. Wie war das nochmal mit dem Mühen, möglichst anonym zu bleiben?

Die AGBs

Auf dem ersten Blick wirken die AGBs ganz normal:

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Interessant ist aber schon der erste Satz:

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Demnach gilt das Angebot erst mal nur für private Personen. Die versprochenen Verkaufsbedingungen für Unternehmen fehlen gänzlich. Wenn sich aber das Angebot ausdrücklich (auch) an Privatkäufer richtet, erscheint die Preisangabe schon wieder in einem neuen Licht. Sie erinnern sich?

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In dem Angebot werden nur die Nettopreise angegeben, also die Preise ohne Mehrwertsteuer. Das aber ist verboten.  Das entsprechende Gesetz sagt dazu folgendes:

preis

 

 

Aber was schert das die Betrüger: sie haben bereits bisher schon gegen etliche Regeln verstoßen – da kommt es darauf auch nicht mehr an…

Die Widerrufsbelehrung

Auch diese Belehrung sieht auf dem ersten Blick ganz normal aus:

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Aber der erste Blick täuscht. Schauen wir uns mal den ersten Absatz näher an.

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Hier wird mit § und Gesetzen geradezu herumgeschmissen, was natürlich Eindruck auf den zu Betrügenden machen soll. So wird großartig auf den § 246 EGBGB verwiesen. Noch nie was von EGBGB gehört? Das ist nicht weiter schlimm. Es handelt sich dabei um das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch-

Zuerst berufen sich die Betrüger auf § 246 Absatz 2. Schauen wir uns den mal an:

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Aja. Die Idioten Betrüger wollen sich also darauf berufen, dass sie bestimmte Pflichten nicht einhalten müssen, nämlich

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Das ist natürlich vollkommener Blödsinn, denn das was die Spammer anbieten, sind alles mögliche (Schrott, Geldverbrennung usw.) – aber eins sind sie garantiert nicht: Geschäfte des täglichen Lebens. Was also sind diese Geschäfte des täglichen Lebens?

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Nun kann man natürlich davon ausgehen, dass zum Beispiel die von den Betrügern angebotenen Waren (wie digitale Werbedisplays,  Gabelhubwagen oder auch Tresore) durch ihre nicht vorhandene Qualität tatsächlich “zum alsbaldigen Verbrauch” verdonnert sind, weil sie schon beim Auspacken auseinanderfallen – aber dennoch sind es eben nicht Geschäfte des täglichen Lebens.

Dann wird eine Adresse angegeben, die nun plötzlich nicht mehr mit der in dem Impressum genannten übereinstimmt:

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Es muss sicher nicht extra betont werden, dass unter der angegebenen Adresse alles mögliche zu finden ist – nur keine Firma namens “Creativhandel”… Schön ist auch die angegebene Mailadresse. Nicht nur, dass sich die Spammer mit der Schreibweise vor Spam schützen wollen – sie verwenden auch einen Freemailer, nämlich GMX. Können Sie sich noch an den Hinweis aus dem Impressum in Sachen Spammer erinnern?

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Sie verwenden also keine Freemailer wie yahoo, Gmail oder Hotmailer. Dafür aber eben GMX. Sehr glaubwürdig…

Die Internetdomäne

Das übliche – man versucht, anonym zu bleiben.

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Registriert ist die Seite in Kanada und sie ist über einen entsprechenden (kostenpflichtigen) Service geschützt. Das bedeutet, dass weder Name noch Adresse des Inhabers angezeigt werden. Ein durchaus legales Mittel – bei seriösen Shops aber dann doch sehr ungewöhnlich.

Vereinzelt haben die Spammer auch deutsche Domänen am Start. In Deutschland sind solche Anonymisierungen nicht möglich. Also kann man hier etwas sehen, nämlich

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Es ist kein Zufall, dass der Name eines Fußballers verwendet wird und in diesem Gewerbe durchaus normal: verwendet man den Namen eines Sportlers oder Künstlers, erschwert das die Internet-Recherche nach dieser Person ungemein. Aber das ist auch egal: eine Firma “Neubert Versandhandel” ist wiederum in keinem Handelsregister eingetragen, es gibt (außer den Betrugsseiten) keinen Internetauftritt des Versandhandels – es gibt im Prinzip nichts, was auf die reale Existenz einer solchen Firma spricht.

Aber wer steckt nun wirklich hinter dem ganzen Spam?

Erinnern Sie sich noch an die Bestellmöglichkeit direkt aus der Email heraus, die ich ganz am Anfang dieses Beitrages erwähnt habe? Schauen wir uns mal an, was geschieht, wenn man auf den Button “Bestellung” klickt:

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Sehen Sie die Mailadresse? Es handelt sich um eine russische. Warum ein angeblich deutscher Händler nun ausgerechnet eine russische Adresse verwenden sollte, um Bestellungen entgegen zu nehmen – das kann sich jeder selbst denken.

 

Fazit

Lassen Sie die Finger von diesen Betrugsseiten. Sie verlieren entweder Geld oder bekommen für Ihr Geld irgendwelchen Schrott geliefert. Fallen Sie nicht auf die angeblichen “Abmeldungen” von diesen Spams herein – das wäre für die Betrüger nur eine prächtige Information, dass Ihre Mailadresse aktiv ist.